Chronik

In den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts bildeten sich im Osten Deutschlands Rollsportvereine, die wie z. B. Erfurt, Gera, Leipzig, Chemnitz oder Granschütz noch heute existieren.

Der Erfurter Lokalpresse dieser Zeit lässt sich entnehmen, dass ab 1939 der Rollsport zunächst als Rolllkunstlauf organisiert betrieben wurde. 1940 erfolgte die Einweihung einer Fulgurit-Plattenbahn hinter der Tribüne des heutigen Steigerwaldstadions, auf der u. a. 1942 die Deutschen Meisterschaften im Rollkunstlauf ausgetragen wurden.

Die letzten Meldungen über den Rollsport in den Kriegsjahren stammen aus Oktober 1943, als in Erfurt ein Rollhockeyturnier mit Mannschaften aus Jena, Gera, Leipzig und Erfurt stattfand, das Gera vor Erfurt gewann.

Die Erfurter Rollsportler waren nach 1945 eine der ersten Mannschaften, die den Trainingsbetrieb im Rollhockey wieder aufnahmen. Als KWU Erfurt bestimmten die Sportler aus der Blumenstadt das Rollhockeyniveau in der damaligen Ostzone. Sie wurden 1948 als Sportgruppe West Erfurt bei den in Langen ausgetragenen Deutschen Rollhockeymeisterschaften Fünfter hinter Stuttgart, Nürnberg, Walsum und Dortmund.

Größter Erfolg in dieser Zeit war 1949 die Erringung der Ostzonenmeisterschaft durch die Männer- und die Jugendmannschaft in Erfurt. Dadurch hatten sich die Erfurter für die in Herten ausgetragenen Deutschen Rollhockey-Meisterschaften qualifiziert, bei denen der 4. Platz erkämpft wurde.

1949 wurde die Rollschuhbahn in Erfurt abgebrochen bzw. nach Oberhof verlegt. Dort sollte dem Publikum der Meisterschaften im Wintersport als Äquivalent zu den infolge von Eismangel ausgefallenen Eishockeyspielen das ähnliche Spiel auf Rollen demonstriert werden. Als Folge verließen einige Spitzenspieler das Erfurter Team in Richtung Westdeutschland und die Mannschaft löste sich auf.

1952 gelang der Wiederaufbau der Rollschuhbahn in Erfurt, allerdings mit kleinerer Fläche im Steigerwaldstadion, dort, wo heute die Eishockeyhalle steht. Die Sportler um Kreutzer, Mainka, Weigelt, Schneider und Geinitz rekrutierten sich bei der BSG Fortschritt Erfurt und erkämpften 1954 den Aufstieg in die DDR-Oberliga.

Die 1953 durch Kroll, Brix, Gebuhr, Taubert, Ahlers, Gräser und Bernd Schulze gebildete Nachwuchsmannschaft krönte ihre kontinuierliche Entwicklung mit dem Gewinn der Goldmedaille im Rollhockeyturnier im Rahmen des II. Deutschen Turn- und Sportfestes in Leipzig 1956.

Der sportliche Aufschwung fand ein jähes Ende, als im März 1957 die Rollschuhbahn verkauft wurde. Somit wurde die Sektion Rollhockey mit 3 Teams aufgelöst.

Am 16.10.1961 gründeten die „Rollhockeyverrückten„ Werner und Bernd Schulze, Lothar Kroll, Siegfried Ahlers, Günter Hempel, Winfried Weigelt, Wolfgang Gebuhr, Klaus Wiesenmüller und Nationalspieler Heinz Spangenberg mit Unterstützung durch Johannes Neubert erneut eine Rollhckey-Sektion in der Trägerschaft der Medizinischen Akademie Erfurt als Hochschulsportgemeinschaft Medizin Erfurt.

Bis 1965 hatten die Erfurter Sportler keine eigene Rollschuhbahn und nahmen erhebliche Belastungen in Kauf, um den Fortbestand der Sektion Rollhockey zu gewährleisten. So wurden selbst „Heimspiele“ in Hettstedt, Naumburg oder Gera ausgetragen.

1965 geschah das Unglaubliche: In Rekordzeit von 3 Monaten wurde auf dem Sportgelände Petersberg der HSG Medizin ein wettkampfgerechtes Rollsportstadion erbaut und Ostern 1966 mit dem Rollhockeyspiel Medizin Erfurt gegen den Königlichen Rollerklub Antwerpen eingeweiht.

Höhepunkte waren die alljährlich durchgeführten Rollhockeyspiele gegen renommierte Mannschaften aus Belgien, Frankreich, Holland und der BRD, die 1972 von der Sportführung der DDR untersagt wurden.

Aufnäher: Medizin Erfurt

Die Erfurter Rollschuhbahn auf dem Petersberg wurde im Laufe der Jahre Schauplatz hochrangiger Rollsportveranstaltungen, u. a. auch der 33. DDR-Meisterschaften im Rollkunstlauf 1981 sowie des 1. Sportfestes des DRV der DDR 1982.

Besonders erfolgreich gestaltete sich die Nachwuchsarbeit. Der Torwart und Übungsleiter Lothar Kroll gründete 1975 eine Pioniermannschaft, die in den nachfolgenden Jahren in Punkt- und Pokalspielen auf den vorderen Plätzen zu finden waren und als Jugendspieler 1981 und 1982 den Meistertitel nach Erfurt holten.

Bis zur politischen Wende war die Sektion Rollhockey mit insgesamt 3 Mannschaften an den Punktspielen im Männer-, Jugend und Pionierbereich beteiligt.

Seit 1989 werden wieder Rollhockeyvergleiche mit Mannschaften aus den alten Bundesländern und dem Ausland durchgeführt.

1996 wurde das traditionsreiche Rollsportstadion auf dem Petersberg zu Gunsten des Neubaus des Bundesarbeitsgerichtes abgerissen. Dafür wurde eine neue Wettkampfanlage im Erfurter Norden gebaut und ist seit 1997 in Betrieb.

Derzeit wird in Erfurt mit einer Männermannschaft Rollhockey gespielt.

Erfurt ist eine der Städte in Deutschland, in denen am längsten kontinuierlich Rollhockey gespielt wird.

Mit folgenden Mannschaften wurden die Schläger gekreuzt:

Zeitraum 1948-1990 (in nationalen Vergleichen)

•Chemie Granschütz
•Chemie Webau
•Motor/SC Medizin Karl-Marx-Stadt I und II
•Tiefbau Gera
•RHG Gera
•Aufbau Böhlitz-Ehrenberg
•RHG Böhlitz-Ehrenberg
•Chemie Zeitz
•Chemie Tröglitz
•RHG Zeitz
•Chemie/ Einheit Ballenstedt
•RHG Ballenstedt
•Fortschritt Weißenfels I und II
•Turbine Halberstadt
•Stahl Hettstedt
•Lok Stendal
•Chemie Jena
•Lok Anklam
•Fortschritt Berlin-Friedrichshain
•Elpro Berlin
•BSG Pionierpark Berlin
•Chemie Wolfen
•Aktivist / MK Allstedt
•Lok Naumburg
•Motor Weimar

Zeitraum 1991- 2008 (im nationalen Vergleich)

•1.FC Nürnberg
•BTG Bayreuth
•ERSC Bamberg
•ERV Schweinfurt II
•RSC Erlangen
•ASV Hamburg
•REC Konstanz II
•RSC Cronenberg
•TSG 1846 Darmstadt
•RSC Darmstadt II
•ERG Iserlohn
•RSC Emden
•RHC Recklinghausen I und II
•TSE Dortmund
•SC Hamm I und II
•SSV 1846 Ulm
•VfL Marl-Hüls
•CJD Neuss
•GRSC Mönchengladbach
•RRV Gottmadingen
•REV Heilbronn
•RHG Böhlitz-Ehrenberg I und II
•RSC Gera II
•SV Allstedt II
•ERC Chemnitz II
•SC Granschütz
•RSC Zeitz
•RSC Gillen Berlin
•OSC Berlin
•ERV Hannover
•RV Bad Münder
•RSC Peine
•RC Springe
•SC Bison Calenberg / Eldagsen
•MTV Celle
•CEH Stuttgart
•ESV Ansbach
•RSV Mainspitze
•TV 1875 Paderborn I und II
•RESG Walsum II
•TGS 1890 Oberramstadt

Zeitraum 1948-1990 (im internationalen Vergleich)

•Königlicher Roller Club Antwerpen (Belgien)
•Roller Hockey Club Knokke (Belgien)
•Rollschaaten Club Dortrecht (Niederlande)
•Holiday Skaters Club Antwerpen (Belgien)
•Union Sportive Tourquenjoisse (Frankreich)
•Eis-und Rollsportclub Frankfurt/ Main (West Deutschland)

Zeitraum 1991- 2008 (im internationalen Vergleich)

•RHC Wimmis (Schweiz)
•RHC Uri (Schweiz)
•RHC Dornbirn (Österreich)
•RHC Gipf-Oberfrick (Schweiz)
•RHC Lausanne (Schweiz)
•UHV Feldkirch (Österreich)
•RHC Wolfurt (Österreich)
•RHC Villach (Österreich)
•Red Devils (Tschechien)
•RHC Triest (Italien)
•HC Roubaix (Frankreich)
•Prag (Tschechien)